E-Book-Workflows bei Wissenschafts- und Fachverlagen

Hier finden sich die Folien zu meinem Vortrag, den ich am 3.4.2014 bei der AG Universitätsverlage in der Hochschule Merseburg gehalten habe.

E-Book-Workflows bei Wissenschafts- und Fachverlagen

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Warum sind EPUBs nicht Web-geeignet? Eher ist das Web nicht EPUB-geeignet. Was meine ich damit? EPUBs haben eindeutige IDs und können zitiert, referenziert, getrackt werden. Das Web hat aber kein zentrales Verzeichnis an Online- und EPUB-Ressourcen (beide quasi dasselbe), Webseiten nehmen lediglich URLs entgegen, ohne darunter auch ein EPUB zu erwarten (oder es würde beim Upload automatisch entpackt werden) oder auch eine EPUB-ID zu akzeptieren. DOIs kann man auch für EPUBs vergeben, das ist kein Vorteil ausschließlich von HTML. Die Barrierefreiheit von „wildem“ HTML halte ich für weniger gegeben als bei EPUB, weil bei letzterem wenigstens von vielen Online-Dienstleistern die Gültigkeit gefordert wird, und Barrierefreiheit darum schon allein technisch mehr gegeben ist. Das ist auch der Nachteil von wildem HTML im Web: dass da so viel ungültiger Müll unterwegs ist, der weit aufwendiger zu verarbeiten ist als das in einem EPUB, von dessen Gültigkeit man ausgehen kann oder es als defekt abzulehnen hat.

Der EPUB-Standard repräsentiert technologisch nur einen Bruchteil von dem, was mit HTML5, CSS3 und JavaScript machbar ist. Mit modernen Browsertechnologien kann man also Webseiten schon gut darstellen. Das EPUB-Format braucht man dann nur zum Offline-Lesen, aber auch das könnte ein Caching-Mechanismus erledigen.
Das EPUBs eine eindeutige ID haben, wage ich zu bezweifeln. Man kann zwar einen dc:identifier verwenden, aber wer kontrolliert denn, dass dieser nicht auch in einer anderen EPUB-Datei verwendet wird? Übrigens werden EPUB-Dateien für verschiedene Leseplattformen, wie z.B. Kindle optimiert. Damit existieren schon mehrere Versionen mit dem gleichen Identifier.
Als letzte Bemerkung: Solange man als Verlag das HTML automatisch aus XML erzeugt, kann man dessen Qualität auch steuern.

Wenn der Caching-Mechanismus standardisiert wäre, wäre das genauso in Ordnung, z.B. in Form von EPUB4, um die fehlenden Möglichkeiten von HTML5, CSS3 und JavaScript aufzunehmen. Ob dem EPUB ein DOI zugewiesen wird, obliegt genauso der Entscheidungsgewalt des Verlags/Produzenten, wie die Frage, ob das automatisch aus XML erzeugte HTML gültig und qualitativ hochwertig ist, will sagen: Vorrichtungen sind in beiden Fällen da, ob sie jedoch in der Praxis eingesetzt werden, ist keineswegs immer sichergestellt und jetzt kein Vorteil oder Nachteil, der dem einen oder anderen Format innewohnt, sondern abhängig von Gewohnheiten und der Prioritäten von Software-Herstellern und Onlinedienst-Betreibern.